Standortpolitik

17.08.2018 - 10:18 Uhr

Zehn Jahre nach dem Kollaps

Die mainfränkische Wirtschaft zwischen Lehman und wirtschaftlicher Rekordjagd

Der 15. September 2008 leitete weltweit eine Zeitenwende ein. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, deren Gründer unterfränkische Wurzeln besaßen, führte zu dramatischen Kurseinbrüchen an den internationalen Finanzmärkten und mündete in einer jahrelangen wirtschaftlichen Schwächephase, von der auch Mainfranken nicht verschont blieb.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der regionalen Wirtschaft ging innerhalb eines Jahres um rund fünf Prozent zurück, zahlreiche Betriebe mussten Mitarbeiter entlassen, die Arbeitslosigkeit erhöhte sich um 13 Prozent. Dank des hohen Diversifizierungsgrades der mainfränkischen Wirtschaft sowie zahlreicher wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischer Hilfsmaßnahmen (z.B. Kurzarbeitergeld) setzte schnell eine konjunkturelle Erholungsphase ein. Bereits im Jahr 2010 erreichte das BIP ein ähnliches Niveau wie 2008, seither wächst die regionale Wirtschaft von Jahr zu Jahr weiter. Zwischen 2008 und 2016 erhöhte sich die mainfränkische Wirtschaftsleistung – gemessen am realen BIP – um rund 26 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ging um 23 Prozent zurück, die Beschäftigung stieg mit 14 Prozent kräftig an. Auch der Außenhandel erholte sich rasch und übertrifft mittlerweile sein Volumen aus 2008 um rund fünf Prozent.


Ausgewählte regionalwirtschaftliche Kennzahlen für Mainfranken im Zeitvergleich:

  • Bruttoinlandsprodukt
      2008: 28,2 Mrd. Euro
      2016: 35,4 Mrd. Euro
      Veränderung: +25,5 Prozent
  • Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
      2008: 331.611
      2017: 376.433
      Veränderung: +13,5 Prozent
  • Arbeitslose
      2008: 19.678
      2017: 15.254
      Veränderung: -22,5 Prozent
  • Exportvolumen der Industrie
      2008: 8,4 Mrd. Euro
      2017: 8,8 Mrd. Euro
      Veränderung: +4,8 Prozent

Datenquelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, 2018 sowie Bundesagentur für Arbeit, 2018; eigene Berechnungen.


IHK-Konjunkturanalyse: Rekordjagd der mainfränkischen Wirtschaft

Auch die IHK-Konjunkturumfragen zeigen die rasche Erholung sowie die starke Entwicklung der mainfränkischen Wirtschaft nach der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Noch im Jahresmittel 2007 lag der IHK-Konjunkturklimaindikator bei einem Wert von 124 Punkten (Lage: 132 Punkte, Erwartung: 117 Punkte), stürzte danach deutlich ab und erreichte im Jahr 2009 seinen Wendepunkt mit 86 Punkten (Lage: 91 Punkte, Erwartung: 83 Punkte). Bereits im Jahr 2011 konnte das Vorkrisenniveau erreicht werden. Spätestens seit 2016 kennt die regionale Wirtschaft nur eine Richtung: nach oben. Die Befragungsergebnisse eilen von Rekord zu Rekord. Im Mittel der bislang durchgeführten IHK-Konjunkturumfragen im Jahr 2018 erreichen die Lagebeurteilungen mit 151 Punkten sowie der IHK-Konjunkturklimaindikator mit 134 Punkten neue Bestmarken, die Erwartungsmeldungen liegen mit 118 Punkten auf hohem Niveau. Inwiefern sich Risikofaktoren wie Fachkräftemangel, weltweit zunehmender Protektionismus oder die vermehrt von Unsicherheit geprägten Beziehungen zu den Vereinigten Staaten die Stimmung der heimischen Wirtschaft beeinflussen, bleibt abzuwarten.

Hintergrund: Dreimal im Jahr führt die IHK Würzburg-Schweinfurt eine Konjunkturumfrage durch. Ziel ist, Politik und Öffentlichkeit über die wirtschaftliche Lage, die Entwicklung und die konjunkturellen Risiken vor Ort zu informieren und die Interessen der mainfränkischen Wirtschaft passgenau nach außen zu vertreten. Das Alleinstellungsmerkmal der IHK-Konjunkturumfrage: Keine andere Konjunkturbefragung verfügt über so detaillierte regional- und branchenspezifische Daten. Zudem nutzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) e.V. die regionalen Befragungsergebnisse aller 79 IHKs deutschlandweit, um den Belangen der Wirtschaft in Berlin und Brüssel Gehör zu verschaffen. Insgesamt kommen so rund 25.000 Unternehmensantworten zusammen, was der mit Abstand breitesten Befragung deutschlandweit entspricht.

Sie möchten sich an unserer IHK-Konjunkturumfrage beteiligen? Gerne können Sie sich bei Frau Jessica Philipp per E-Mail (jessica.philipp@ wuerzburg.ihk.de) anmelden.