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27.04.2018 - 11:18 Uhr

175 Jahre Unternehmergeist in Mainfranken

In der Region arbeiten Wirtschaft und Wissenschaft zusehends Hand in Hand

Würzburg – Die IHK Würzburg-Schweinfurt begeht dieses Jahr ihr 175-jähriges Jubiläum. Weil nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft der regionalen Unternehmen im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres steht, organisiert die Wirtschaftskammer über das Jahr hinweg eine Reihe besonderer Veranstaltungen zu strategischen Zukunftsthemen. Auf dem Landesgartenschaugelände stand gestern die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft im Mittelpunkt.

Kooperationen zwischen wissenschaftlichen Institutionen und Wirtschaftsunternehmen bringen Innovationen hervor und steigern so die Wettbewerbsfähigkeit der mainfränkischen Unternehmen. Eine Möglichkeit der Kooperation ist die finanzielle Unterstützung beispielsweise durch zwei regionale Förderpreise. Von der IHK eingerichtet, fördert die mainfränkische Wirtschaft damit jährlich Hochschulprojekte in der Region.  

Produktionsausfälle vorhersagen  

Den Universitätsförderpreis der Mainfränkischen Wirtschaft in Höhe von 31.700 Euro erhielten gestern im Rahmen der IHK-Jubiläumsveranstaltung Prof. Samuel Kounev und Marwin Züfle von der Universität Würzburg. Ihr Projekt beschäftigt sich mit Prognosen und ist wichtig bei Entscheidungsprozessen etwa zur Ressourcen- oder Lagerplanung. In Zusammenarbeit mit einem Unternehmen aus Würzburg haben die Wissenschaftler eine neue Vorhersagemethode entwickelt, die für vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) weiterentwickelt werden soll. Ziel ist, bei der Instandhaltung von Produktionsmaschinen mit Sensordaten vorherzusagen, wann Maschinenteile ausfallen werden, um diese rechtzeitig warten, reparieren, oder austauschen zu können. So sollen überraschende Ausfälle und daraus resultierende Verluste für Unternehmen vermieden werden.  

Mini-Roboter um Programmieren zu üben  

Professor Dr.-Ing. Christoph Bunsen von der Fakultät für Maschinenbau an der FHWS heißt der diesjährige Preisträger des FH-Förderpreises der mainfränkischen Wirtschaft. Er bekam einen Scheck in Höhe von 1.800 Euro für die Anschaffung eines Miniatur-Roboters. Mini-Roboter können einfache Aufgaben übernehmen, etwa schreiben, markieren, einfache Handreichungen oder Montageunterstützung leisten, mit dem passenden Kopf anstelle von Greifern können sie sogar „lasern“ oder „3D-Drucken“ - je nachdem, was man ihnen beibringt. Mit einem solchen Roboter kann man einfache Programmieraufgaben erstellen, Bewegungsabläufe lehren und einfache regelmäßig auftretende Abläufe dem Menschen abnehmen. Die Förderung durch die IHK ermöglicht der FHWS ein außergewöhnliches Projekt, das den Umgang mit aktuellsten Technologien auf einer spielerischen Ebene erlaubt. Die Ergebnisse fließen sowohl fachlich im Thema automatisierte Fertigung als auch im Thema „Industrie 4.0“ ein, insbesondere in der Mensch-Maschine-Kollaboration.  

Spendenaufruf gestartet  

Das Stiftungsvermögen des Universitätsförderpreises der mainfränkischen Wirtschaft beträgt rund 1,2 Millionen Euro, aus denen die IHK über eine Stiftung im Unibund jährlich bis zu 35.000 Euro für regionale Forschungsprojekte ausschütten kann. Bis heute wurden seit 1982 schon 92 Projekte mit einer Gesamtsumme von über einer Million Euro gefördert. Das Stiftungsvermögen des 2011 von der IHK ins Leben gerufenen FH-Förderpreises der mainfränkischen Wirtschaft beträgt inzwischen auch bereits rund 400.000 Euro. Dieses soll weiter wachsen, um auch hier höhere Ausschüttungen aus den Zinserträgen vornehmen zu können. Aus Anlass ihres Jubiläums hat die IHK daher einen Spendenaufruf bei der mainfränkischen Wirtschaft gestartet und will so den Stiftungstopf aufstocken: „Aus einem höheren Stiftungsvermögen resultieren auch höhere Zinserträge. Machen Sie also mit!“, appellierte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin W. Deinhard, „jeder nach seinen Kräften, auch kleinere Beträge summieren sich und tragen zum eigentlichen Zweck der Spende bei: Die Verbundenheit der regionalen Wirtschaft mit dem Wissenschaftsstandort Mainfranken zu dokumentieren.“  

Die Zukunft ist hybrid  

Die Key-Note zu „Hochschulkooperationen für die Mobilität von morgen“ hielt Professor Dr. Peter Gutzmer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Vorstand Technologie der Schaeffler AG. Seine Forderung: Die Hochschulen in Deutschland müssten ganzheitlich denkende Menschen ausbilden, die teamfähig sind und nicht wie aktuell Individualisten. Seine Ausblick lautete: Der Verbrennungsmotor werde mindestens die nächsten zwanzig Jahre noch gebraucht, seine Zukunft liege jedoch in hybriden Antrieben.  

Wie Unternehmen und die FHWS Partner werden können, zeigten Professor Dr. Robert Grebner, Präsident der Hochschule für angewandte Wissenschaften, Dr. Hubert Büchs, Geschäftsführer Jopp Holding, und Christopher Bouveret, Vorstandsmitglied der Itizzimo AG. Auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Süddeutsche Kunststoffzentrum entwickeln gemeinsam mit Unternehmen Ideen zu Produkten. Christian Staudigel, Projektleiter am SKZ, präsentierte dies am Beispiel der Additiven Fertigung. Dr. Nils Gageik, Geschäftsführer der Emqopter GmbH, der im Jahr 2014 den Universitäts-Förderpreis der mainfränkischen Wirtschaft gewonnen hat, gab einen Einblick in die Entwicklung seiner Geschäftsidee im Bereich der Drohnentechnologie.  

Dank für Engagement und Ehrenamt  

„Wir danken der regionalen Wirtschaft für 175 Jahre Unternehmergeist, dem Mainfranken einen großen Teil seines Wohlstandes verdankt“, hatte zuvor der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin W. Deinhard die über 100 Gäste begrüßt. Mit ihrer Jubiläumsveranstaltungsreihe würdige die IHK auch das ehrenamtliche Engagement der rund 450 Unternehmen in Fach- und Regionalgremien und der Vollversammlung sowie von rund 3.700 ehrenamtlichen Prüfern. Seit 175 Jahren engagiert sich die IHK Würzburg-Schweinfurt zum wirtschaftlichen Wohl der Region Mainfranken. Das tut sie, indem sie die Interessen der hiesigen, bei der Wirtschaftskammer organisierten Unternehmer bündelt und vertritt. Sie tut das aber auch, indem sie für mehr Miteinander aller gesellschaftlichen und politischen Akteure eintritt.  

Insgesamt sechs Jubiläumsveranstaltungen richtet die IHK das gesamte Jahr und über die Region verteilt aus, zu denen Bad Kissingen den Auftakt bildete. Höhepunkt ist im Juni 2018 ein zentraler Festakt mit geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft. Ein Tag der offenen Tür am 01.07.2018 in Würzburg mit einer integrierten bayerischen Wanderausstellung zur IHK-Geschichte und ein Engagement im Rahmen des Stadtfestes Schweinfurt am 25.08. runden das Jubiläumsangebot ab. Alle Termine der Jubiläumsveranstaltungen und Informationen zur Geschichte der IHK Würzburg-Schweinfurt finden Interessierte unter www.ihk175.de