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21.09.2017 - 13:33 Uhr

Neue Perspektiven für den innerstädtischen Handel

IHK-Handelsforum diskutiert Chancen der Stadtlogistik

Schweinfurt – Seit Bekanntwerden des „Abgas-Skandals“ hat die Diskussion um gut erreichbare Innenstädte an Fahrt aufgenommen. Forderungen nach Zufahrtsbeschränkungen insbesondere für ältere Diesel-Fahrzeuge stehen Warnungen vor blindem Aktionismus gegenüber. Insbesondere Handelsunternehmen befürchten Einschränkungen, die neben der zunehmenden Konkurrenz durch den Onlinehandel den Standort Innenstadt weiter in Bedrängnis bringen – auch in Mainfranken.

„Die Handelsbranche hat in unserer Region im Jahr 2016 mit 1.681 Eintragungen zwar den zweithöchsten Wert aller Branchen an Gewerbeanmeldungen in der Wirtschaftsregion erreicht, insgesamt ist die Zahl der Unternehmen jedoch rückläufig.“ so Jürgen Bode, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt, bei der Begrüßung von rund 30 Interessierten zum „Zukunftsforum Handel“ in der IHK-Geschäftsstelle in Schweinfurt.   Stadtlogistik als Antwort auf aktuelle Herausforderungen  

Abseits von Verboten und Einschränkungen bestehen jedoch andere effektive Möglichkeiten, um schädliche Emissionen im städtischen Raum zu verringern. Insbesondere Ansätze der Stadtlogistik werden in diesem Zusammenhang diskutiert. „Stadtlogistik“ ist ein Sammelbegriff, der viele Konzepte zur Koordination innerstädtischer Güterverkehre beinhaltet. Allen Konzepten gemeinsam: Warenströme sollen effizienter, wirtschaftlicher und ökologisch verträglicher gelenkt und städtische Infrastrukturen entlastet werden. Insbesondere kommunale Planer sowie Kurier- Express- und Paket-Dienstleister interessieren sich für dieses Themenfeld.    

Große Herausforderung für Städte durch Paketlieferverkehr  

Diplom-Ökonom Carsten Hirschberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Produktionsmanagement und Logistik (IPL) der Hochschule München, lieferte den thematischen Einstieg. Sein Beitrag widmete sich der Frage, inwiefern Ansätze der Stadtlogistik zukunftsweisend und sinnvoll für einen starken innerstädtischen Handelsstandort sind. Laut Hirschberg sind integrierte multimodale Verkehrsansätze, zu denen auch Konzepte der Stadtlogistik zählen, fester Bestandteil sogenannter „Smart Cities“. Hierunter versteht man Stadtkonzepte, die innovative und intelligent vernetzte Infrastrukturen und Kommunikationstechnologien nutzen, um ökologische und vorteilhafte Lebensbedingungen für Stadtbewohner zu schaffen. Erprobt werden diese Ideen bereits in Großstädten. Es gelte zu prüfen, so Hirschberg, inwiefern diese Ideen auf kleinere Städte wie Würzburg oder Schweinfurt übertragbar seien. Denn: Auch in diesen Städten nimmt der Lieferverkehr zu.  

Nachhaltige Lösungen für das Problem des zunehmenden Lieferverkehrs versprechen Ansätze der Stadtlogistik: Neben umweltfreundlicheren Fahrzeugtechniken, beispielsweise Elektrofahrzeuge oder Lastenfahrräder, laufen derzeit Tests mit Lieferrobotern. Am Beispiel eines in München erprobten Stadtlogistik-Konzeptes zur Belieferung innerstädtischer Händler zeigte Hirschberg, welche Vorteile die Citylogistik in der Praxis mit sich bringt: Die Umwelt wird entlastet, Kosten werden reduziert und die Nachhaltigkeit wird gesteigert. Gleichzeitig steigt der Grad an Serviceleistung durch die schnellere Belieferung von Händlern.  

Erfolgreiche Praxisbeispiele für die Belieferung auf der „letzten Meile“  

Die Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis lieferte Professor Dr. Müller-Steinfahrt, geschäftsführender Leiter des Instituts für angewandte Logistik (IAL) an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. Im Zentrum seines Beitrags standen Lösungsansätze auf der „letzten Meile“, sprich der Warenzustellung an den Kunden. Professor Müller-Steinfahrt zeigte den interessierten Zuhörern, welche Trends im städtischen Raum für stadtlogistische Ansätze sprechen. Neben der steigenden Zuwanderung in Versorgungszentren mit Folgen für die Infrastruktur und immer knapper werdenden städtischen Flächen sei parallel eine Sensibilisierung von Politik und Gesellschaft für Fragen des Umweltschutzes festzustellen. Doch auch der Wandel des Konsumentenverhaltens mit einer steigenden Nachfrage nach schnellem und flexiblem Warenbezug über den Onlinehandel sei von Bedeutung. Neue Perspektiven eröffnen dabei moderne Technologien der digitalen Einkaufs- und Lieferkette, beispielsweise auf Basis von Big-Data oder App-Anwendungen. Mobile oder fest installierte City-Hub-Ansätze erlaubten es, Warenlieferungen zusammenzufassen, so der Logistiker Müller-Steinfahrt.   

Mit Verweis auf zahlreiche innovative Lieferkonzepte der „letzten Meile“ zeigte er abschließend, welche Möglichkeiten bereits praxiserprobt und erfolgsversprechend sind. Am Beispiel der in China verbreiteten „Tabao Vilages“ beziehungsweise „Tabao Towns“ verwies er außerdem darauf, dass neben der Stadt auch der ländliche Raum in Zukunft von stadtlogistischen Ansätzen profitieren könnte.  

Information:
Dr. Christian Seynstahl
Tel. 0931 4194-314
E-Mail: christian.seynstahl@ wuerzburg.ihk.de